Seit Anfang des Jahres lebt der Planet im Rhythmus einer Pandemie, deren Auswirkungen auf die eine oder andere Weise in allen Tätigkeitsbereichen zu spüren sind. Die künstlerische und kulturelle Welt ist leider keine Ausnahme; schlimmer noch, sie leidet unter der vollen Wucht der beispiellosen Maßnahmen, die von den Staaten ergriffen werden und die als soziale Distanzierung, Eingrenzung, Barrieregesten und andere bezeichnet werden. Aber auf dem afrikanischen Kontinent sind die Menschen weit davon entfernt, aufzugeben und zu riskieren, die Errungenschaften der letzten Jahre zu verlieren, und organisieren sich. Seit Beginn der Krise mehren sich Initiativen und gute Ideen, um die afrikanische bildende Kunst weiterhin der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und den Profis das Weiterbestehen zu ermöglichen. Einfallsreichtum und Originalität sind angesagt…

© Martin Sanchez – www.unsplash.com

Neue Technologien im Dienste der afrikanischen visuellen Kunst

Seit Beginn der Coronavirus-Krise mussten sich viele afrikanische Künstler den Anforderungen des in mehreren Ländern verhängten Confinements unterwerfen. Doch anstatt diese Situation zu ertragen, nutzen viele dieser Schöpfer sie, um ihrer Kreativität Ausdruck zu verleihen, aber auch um neue Wege zu finden, ihre Kunst bekannt zu machen. Soziale Netzwerke, insbesondere Facebook und Twitter, sind damit zu den neuen Spielwiesen für afrikanische Kreative geworden, die bisher in diesen 2.0-Medien nicht sehr aktiv waren. Dies ist zum Beispiel der Fall bei dem kamerunischen Künstler Jean-David Nkot, der seine Arbeiten jetzt viel mehr online teilt, von seinem Atelier in Douala aus.

In der Galerie Magnin in Paris geht man noch etwas weiter. In der Tat hat das Team nach langer Vorbereitung seine allererste Ausstellung ausschließlich online aufgesetzt. Unter dem Titel What dreams are made of präsentiert sie die Werke afrikanischer Künstler unterschiedlicher Herkunft und Horizonte: Pierre Bodo aus dem Kongo, Joseph Obanuni aus Nigeria, Abu Bakarr Mansaray aus Sierra Leone oder Rodrigues Armando Mabunda aus Mosambik. Während die Galerie also physisch für die Öffentlichkeit geschlossen ist, bleibt sie virtuell über das Internet zugänglich.

Um dieses Projekt zu verwirklichen, musste Philippe Boutté sich an Artsy wenden, eine Online-Plattform, die sich auf die Förderung von Online-Kunst spezialisiert hat. Für den Direktor der Pariser Galerie war es die perfekte Gelegenheit, Neues zu entdecken und in den E-Kunstmarkt einzusteigen.

So auch bei Afrikaris, wo vom 28. März bis zum 27. April eine virtuelle Ausstellung mit dem Titel “Dialogues, techniques mixtes sur papier” (Mischtechniken auf Papier) zu sehen ist. Sie versammelt eine Auswahl von Arbeiten auf Papier von 5 Künstlern des Kontinents: Hyacinthe Ouattara, Onvis Martin, Saïdou Dicko, Bruce Clarke und Salifou Lindou.

Die uralte Rolle der afrikanischen bildenden Kunst im Zentrum der Überlegungen

Die afrikanische Kunst hatte schon immer eine moralische, erzieherische und karikierende Dimension, die im aktuellen Kontext, in dem der Schwerpunkt auf der Prävention von Covid-19 liegt, ein besonderes Echo unter Künstlern und der kreativen Welt findet. In Dakar drückt sie sich durch eine eher “moderne” visuelle Kunstform aus: Graffiti. Versammelt in der RBS (Radikl Bomb Shot) Crew, malen mehrere junge Künstler Präventionsbotschaften direkt auf den Stein großer Gebäude wie die Wand der Cheikh Anta Diop Universität und des Fann Krankenhauses. Die Devise ist klar: die Massen aufklären, um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken.

Motiviert durch die positive Aufnahme der Initiative, hat das Kollektiv der RBS Crew weitere Wandbilder in der Stadt gemalt. In einem beliebten Viertel der senegalesischen Hauptstadt ist ein riesiges Wandbild mit dem Titel “Covid-19” zu sehen, das eine weiße Maske auf dem Gesicht zeigt, begleitet von Gesundheitsempfehlungen. Die in Fotos festgehaltene und in den sozialen Netzwerken weit verbreitete Initiative wird auch in mehreren anderen Ländern nachgeahmt, in denen das Kollektiv seine Flügel ausbreitet: Mali, Burkina Faso, Kamerun, Uganda, Vereinigte Staaten …

Das Covid-19 oder die Möglichkeit, sich neu zu erfinden

“Die Korona zwingt uns zum Nachdenken, sich Zeit zu nehmen. Für uns ist es eine gute Übung, uns neu zu erfinden. Es ist eine Zeit, in der man andere Ideen hat”, sagt Florian Azzopardi, der in seiner Pariser Wohnung Videos filmt und schneidet. “Es holt uns aus der Routine und gibt uns Zeit, all die Dinge zu tun, für die wir im Jahr keine Zeit haben. Wir müssen diese Chance nutzen und unsere Werkzeuge aktualisieren, die uns später dienen werden, das ist die positive Seite”, sagt Philippe Boutté.

“Es ist eine wirklich tiefgreifende Reflexion, auf lange Sicht. Wir müssen vielleicht anders anfangen. Wir machen viele Messen. Ich habe Galerien in Afrika, ich bewege Tausende von Tonnen von Werken. Es ist eine schrittweise Bewusstwerdung. Ich bin 36 Jahre alt… Ich denke auf meinem Niveau über einen Ansatz nach, der die Reisen, die transportierten Kilos, den Kohlenstoff-Fußabdruck berücksichtigt. Die Biennale in Venedig zum Beispiel erzeugt eine unglaubliche Menge an Verschmutzung”, sagt Cécile Fakhoury.

Diese Zeit der Einschränkung aufgrund des Virus erlaubt es uns, uns die Zeit zu nehmen, über das Modell der zeitgenössischen Kunstmesse, wie es in unserer heutigen Gesellschaft existiert, nachzudenken, was uns dazu anregt, insbesondere über ökologischere und gemeinschaftliche Lösungen nachzudenken”, bemerkt Touria El Glaoui. Wir hatten bereits damit begonnen, nach Möglichkeiten zu suchen, die Umweltauswirkungen zu reduzieren, die eine solche internationale Veranstaltung mit sich bringt, und wir werden uns weiterhin auf diese Themen konzentrieren. “

So ist Covid-19 weit davon entfernt, nur als eine Situation der Massenvernichtung gesehen zu werden, sondern drängt die Menschen dazu, sich selbst zu hinterfragen, neue Ideen zu entwickeln, über umweltfreundlichere Gewohnheiten nachzudenken, um die Zeit nach Covid-19 besser zu begreifen.


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