Bis zur Wiedereröffnung der Museen in Frankreich wird die Ausstellung “Ex Africa“, die derzeit im Musée du Quai Branly zu sehen ist, durch eine digitale Vorschau hervorgehoben, die seit dem 21. Februar 2021 exklusiv auf dem diesem Ereignis gewidmeten Kanal Culturebox und auf Francetv gesendet wird.

Eine Beziehung zwischen alter afrikanischer Kunst und zeitgenössischer Kunst

Philippe Dagen, Kunstkritiker, Professor für Kunstgeschichte und Kurator der Ausstellung “Ex Africa”, präsentiert diese Veranstaltung, um die Geschichte zwischen aktueller und alter afrikanischer Kunst “neu zu schreiben”. Diesem Zweck ist ein ephemerer Kanal gewidmet, der Kunst- und Kulturliebhabern auf dem historischen Weg der Entwicklung der afrikanischen Kunst von der Antike bis zur Gegenwart zur Verfügung steht. Ex Africa fasst mehrere Ausstellungen zusammen, darunter die des MoMa in New York (1984), in der mehrere Künstler auf die Formen der afrikanischen Kunst zurückgegriffen haben. Afrikanische Kunst wird jedoch oft als primitiv oder Stammeskunst angesehen und auf exotische dekorative Formen ohne Essenz und ohne wirkliche Erforschung ihrer Symbolik und tatsächlichen Bedeutung reduziert. Im Laufe der Zeit hat sich die afrikanische Kunst recht dramatisch entwickelt. Diese historische Entwicklung wird zu einer Wiederaneignung der Identität führen, die durch zeitgenössische künstlerische Kreativität geprägt ist. Dies bringt antike und zeitgenössische Kunst in Einklang.

Ein Panorama von 150 Werken im Wandel der Zeit

Jeder der 34 anwesenden Künstler gab abwechselnd durch die 150 ausgestellten Werke seine individuelle Interpretation in einem kollektiven Raum. Verschiedene Sprachen wurden verwendet, mit dem gemeinsamen Ziel, den Beitrag Afrikas durch seine vielfältigen künstlerischen Kreationen hervorzuheben. Diese laden uns dazu ein, unsere Beziehung zu alter und zeitgenössischer afrikanischer Kunst mit den sensiblen Themen von heute neu zu überdenken.

Diese Form der Anprangerung der kolonialen Vergangenheit findet sich auch im Werk des populären kongolesischen Malers Chéri Samba. Er weist auf die sozialen Ambivalenzen der kongolesischen Gesellschaft hin, die aus dieser Zeit stammen, sowie auf die Frage nach dem Platz der afrikanischen Kunst in der heutigen Welt. Der Künstler bewirbt den afrikanischen Dialekt in einem Selbstporträt mit einem farbenfrohen Bild und Schriften in Französisch, aber auch in Lingala.

Blick in die Ausstellung Ex Africa. Afrikanische Präsenzen in der Kunst heute

Die Vielfalt der Kreationen ist da, besonders bei den 4 afrikanischen Künstlern, die eine Carte Blanche für ihre speziell für die Ausstellung geschaffenen Werke erhielten. Dies ist der Fall bei dem herausragenden Werk: No return” des beninischen Künstlers Romuald Hazoumé. Es hat die Form einer riesigen geschuppten Schlange, die aus mehr als 5000 Flip-Flops besteht, die an der beninischen Küste geborgen wurden, und verweist auf die Migranten, die auf dem Meer umkommen, wenn sie sich entscheiden, die Reise ihres Lebens anzutreten. Der Autor legt damit die Perspektive unserer Evolution dar, die nicht an einem Teil Afrikas Halt macht, sondern die Mutation der ganzen Welt betrifft.

Blick in die Ausstellung Ex Africa. Afrikanische Präsenzen in der Kunst heute

Myriam Mihindou, diese französisch-gabunesische zeitgenössische Künstlerin, verzaubert uns mit ihren Arbeiten, die über die Symbole und die Entwicklung der alten afrikanischen Kunst reflektieren. Ihre Installation wird durch eine Inszenierung von Stöcken präsentiert, die in der Vergangenheit als mystisch und als Symbol der Befriedung von Konflikten betrachtet werden können, heute aber in Bezug auf ihren Marktwert.

Blick in die Ausstellung Ex Africa. Afrikanische Präsenzen in der Kunst heute

Die kamerunische bildende Künstlerin Pascaline Marthine Tayou verbindet in ihrer Arbeit “Eséka” Vergangenheit und Gegenwart mit Glaspuppen, die unter einem Blätterteppich installiert sind, und einer Bambuskonstruktion, an der leuchtende Slogans hängen, die sich auf Worte aus dem Alltag beziehen.

Was Kader Attia betrifft, so bringt er das Thema der Restitution von Kunstwerken durch ein Video wieder auf den Tisch, in dem viele afrikanische Persönlichkeiten eingeladen sind, ihre Meinung zu diesem Thema zu äußern, wobei es für jede betroffene Nation unterschiedliche, aber gemeinsame Aspekte gibt.

Die Ausstellung “Ex Africa” ruft auch andere zeitgenössische Künstler aus verschiedenen Horizonten auf, wie Annette Messager, ORLAN, Jean-Michel Basquiat, Alun Be, Théo Mercier, Léonce Raphael Agbodjelou oder Emo de Medeiros, die, jeder auf seine Weise, die Bedeutung hervorheben werden, die sie dieser neuen Beziehung zu den alten Künsten Afrikas geben.

Ein neuer Blick auf antike Kunst

Auffallend ist die massive Präsenz von Kunstwerken mit Masken und Statuen als Hauptthema. Diese nehmen die Form von eingefrorenen oder metamorphosierenden Relikten an, neue Ausdrücke, ein neues Aussehen, eine neue Emotion. Es ist, als ob diese Werke ihre ganze Inspiration aus der Vergangenheit schöpfen, während sie gleichzeitig auf die gegenwärtige Welt und die Zukunft blicken. Das Zitat von Plinius: “Es gibt immer etwas Neues, das aus Afrika zu uns kommt”, bestätigt dies.


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